KNOW-HOW · BUSINESSPLAN & FINANZIERUNG
Von Norman Kreuter · Veröffentlicht: 21.09.2026 · Aktualisiert: 29.09.2026 · Lesezeit: etwa 8 Minuten
„Du hast eine richtig gute Geschäftsidee. Warum solltest du jetzt lange einen Businessplan schreiben? Du kannst doch einfach anfangen – schließlich brauchst du keine Finanzierung.“
So denken viele Existenzgründer.
Über die Jahre zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Gründer sind vollständig von ihrer eigenen Idee überzeugt und ziehen daraus eine gefährliche Schlussfolgerung:
Wenn du dein Produkt großartig findest, muss der Markt es doch ebenfalls großartig finden.
Leider funktioniert Unternehmertum so nicht.
Einer der größten Denkfehler beim Businessplan beginnt schon bei der Frage:
„Was muss da für die Bank hinein?“ Diese Perspektive greift zu kurz.
Der Businessplan ist in erster Linie nicht für die Bank bestimmt, sondern für dich als Gründer.
Natürlich möchte eine Bank bei einer Finanzierung erkennen, ob du dir Gedanken gemacht hast. Wenn du jedoch lediglich Kästchen ausfüllst und Zahlen einträgst, damit am Ende ein formal vollständiges Dokument entsteht, hast du wenig gewonnen.
Ein guter Businessplan soll dich zum Denken zwingen. Du solltest Antworten auf Fragen wie diese finden:
• Warum sollte dein Unternehmen funktionieren?
• Woher kommen deine Kunden?
• Was unterscheidet dein Angebot?
• Wie viel musst du verkaufen?
• Was müsste passieren, damit du erkennst: Deine ursprüngliche Annahme war falsch?
Genau deshalb ist der Businessplan wertvoll: nicht wegen des Dokuments, sondern wegen des Denkprozesses dahinter.
Ein Businessplan beginnt nicht mit einer Excel-Tabelle, sondern mit der Person, die das Unternehmen aufbauen möchte.
Warum bist ausgerechnet du dafür geeignet?
Wenn du beispielsweise ein Dienstleistungsunternehmen gründest, müssen Menschen dir vertrauen. Warum sollten sie das tun?
• Welche Ausbildung hast du?
• Welche Erfahrungen bringst du mit?
• Über welches Know-how verfügst du?
• Was hast du bereits erreicht?
• Wo fehlen dir möglicherweise noch Fähigkeiten?
Diese Fragen wirken zunächst banal. Das sind sie aber nicht. Denn eine gute Geschäftsidee und die Fähigkeit, daraus ein gutes Unternehmen zu machen, sind zwei unterschiedliche Dinge.
Bei Gründern zeigt sich gerne eine gewisse Verliebtheit in die eigene Idee.
Wenn Kunden nicht kaufen, entsteht schnell die Haltung:
„Das Produkt ist hervorragend. Die Kunden verstehen es nur nicht.“
Oder:
„Der Markt ist eben schwierig.“
Das erinnert an Eltern, die in die Schule gehen und dem Lehrer erklären, die schlechte Note ihres Kindes könne eigentlich nur am Lehrer liegen.
Vielleicht.
Wahrscheinlich aber eher nicht.
Als Unternehmer musst du bereit sein, auch die unangenehme Möglichkeit zu akzeptieren:
Vielleicht ist nicht der Markt das Problem, sondern dein Angebot ist noch nicht gut genug.
Früher gab es in der Disco immer diesen einen Typen, der herumstolzierte wie der Gockel im Hühnerstall. Er war offensichtlich völlig davon überzeugt, dass jeder Raum nur darauf gewartet hatte, dass er endlich hereinkommt. Die Wahrnehmung der anderen war gelegentlich eine andere.
Mit einer Geschäftsidee kann genau das passieren.
Du gehst mit maximaler Überzeugung auf den Markt und denkst:
„Endlich ist das Angebot da, auf das alle gewartet haben.“
Und der Markt antwortet:
„Eigentlich nicht.“
Ein Businessplan zwingt dich dazu, die Perspektive zu wechseln.
• Wer ist dein Kunde?
• Welches Problem löst du tatsächlich?
• Warum ist dieses Problem relevant genug, dass jemand dafür Geld bezahlt?
• Warum sollte dieser Mensch ausgerechnet zu dir kommen?
Gerade bei diesem Punkt hilft dir die Arbeit am Businessplan enorm.
Du musst dich entscheiden:
Wen möchtest du erreichen? - Wen möchtest du nicht erreichen?
Wenn dein Angebot für alle interessant sein soll, fehlt meistens noch eine klare Positionierung.
Gerade heute lässt sich Marketing sehr gezielt einsetzen. Du musst nicht mehr einfach eine Anzeige in die Zeitung setzen und hoffen, dass zufällig die richtige Person darüber stolpert.
Du kannst Zielgruppen sehr viel genauer ansprechen.
Das funktioniert allerdings nur, wenn du vorher verstanden hast, wer diese Menschen überhaupt sind. Wer sich darüber keine Gedanken macht, startet bereits mit einem Wettbewerbsnachteil.
Zu den spannendsten Bereichen der Planung gehört die Wettbewerbsanalyse.
• Was machen andere?
• Welche Angebote funktionieren bereits?
• Wie positionieren sie sich?
• Was machen sie gut?
• Wo erkennst du Schwächen?
• Und vor allem: Wo ist zwischen all diesen Angeboten dein Platz?
Dabei geht es nicht darum, zu kopieren. Es geht darum, dein Unternehmen nicht so zu planen, als würdest du auf einem leeren Spielfeld gründen.
Und dann kommen die Zahlen.
Sie gehören nicht deshalb in den Businessplan, weil eine Bank gerne Tabellen sieht.
Du brauchst Zahlen, damit du später erkennen kannst, ob du auf dem richtigen Weg bist.
• Wie viel Umsatz brauchst du?
• Welche Kosten entstehen?
• Wie viele Kunden benötigst du?
• Was darf die Gewinnung eines Kunden kosten?
• Wann wird die Liquidität kritisch?
• Welche Abweichung sollte bei dir eine Warnlampe einschalten?
Solche Zahlen sind deine Leitplanken.
Wenn du sie vorher nicht definierst, kannst du später kaum beurteilen, ob dein Unternehmen gesund wächst oder ob du lediglich beschäftigt bist.
Ein häufiges Gegenargument lautet:
„Heute lässt sich doch noch gar nicht wissen, wie sich das Unternehmen entwickeln wird.“
Natürlich nicht. Ein Businessplan ist kein Orakel und auch kein Vertrag mit deinem zukünftigen Selbst. Er darf sich verändern.
In einer Beratung begann eine Kundin mit der Idee, bestimmte Kurse für Kinder anzubieten.
Im Laufe der Entwicklung wurde sichtbar, dass auch Angebote für Erwachsene interessant sein können. Später entstand zusätzlich eine Idee, die Kinder und Tiere miteinander verband.
Das Geschäftsmodell entwickelte sich weiter. Das ist völlig normal.
Genau deshalb solltest du verschiedene Möglichkeiten vorab strukturiert durchdenken, statt jede Alternative erst Monate später zufällig im laufenden Betrieb zu entdecken.
Planung soll Lernen nicht verhindern. Sie kann Lernen beschleunigen.
Ein Businessplan sollte kein Dokument sein, das nach der Gründung in einer Schublade verschwindet. Er ist dein Fahrplan, für die ersten ersten Monate. Vielleicht für deutlich länger.
Nicht weil jede Abzweigung schon feststeht, sondern weil du dein Ziel kennst.
Wenn du unterwegs eine bessere Route entdeckst, kannst du sie nehmen.
Aber ohne Ziel wird aus Flexibilität schnell Orientierungslosigkeit.
Nimm ein leeres Blatt und beantworte diese Fragen:
• Warum bist du der Richtige?
• Wer soll dein Angebot wirklich kaufen?
• Warum sollte dieser Kunde dich statt eines Wettbewerbers wählen?
• Welche drei Zahlen zeigen dir später, ob dein Plan funktioniert?
Wenn dir eine dieser Antworten schwerfällt, hast du gerade einen Punkt gefunden, an dem dein Businessplan noch Arbeit braucht.
Wähle drei Unternehmen aus, die etwas Ähnliches anbieten. Halte für jedes Unternehmen fest:
• Was funktioniert besonders gut?
• Welche Zielgruppe spricht das Angebot an?
• Wie positioniert sich das Unternehmen?
• Was könntest du bewusst anders machen?
Nicht, um besser auszusehen, sondern um zu verstehen, auf welchem Markt du antreten möchtest.
Ausprobieren gehört zum Unternehmertum. Irgendwann musst du raus. Du musst verkaufen.
Kein Businessplan wird dir jede Überraschung abnehmen.
Daraus folgt jedoch nicht, dass Planung Zeitverschwendung ist. Im Gegenteil.
Der Rat lautet:
Nimm dir Zeit, deine Säge zu schärfen, anstatt einfach nur immer mehr Bäume zu fällen.
Ein guter Businessplan hält dich nicht vom Handeln ab.
Er sorgt dafür, dass du mit größerer Klarheit handelst.
Du möchtest deinen Businessplan nicht nur formal ausfüllen, sondern als belastbaren Fahrplan einsetzen? In Phase 1 betrachten wir gemeinsam Geschäftsmodell, Markt, Zahlen und Finanzierung.
Phase 1: Von der Idee zur Finanzierung → Businessplan-Check starten → Gründungsreife-Check starten →Norman Kreuter ist Unternehmer, Dipl.-Wirtschaftsingenieur und Business Coach. Mit LE[NK]MUT verbindet er eigene Gründungs- und Führungserfahrung mit Gründungsberatung und Unternehmercoaching – von der Idee zum tragfähigen Unternehmen.