KNOW-HOW · ZAHLEN, GEWINN & LIQUIDITÄT
Liquiditätsplan erstellen: So sicherst du deine Zahlungsfähigkeit

Veröffentlicht am · Aktualisiert am · Lesezeit: etwa 6 Minuten
Reserven schaffen Handlungsspielraum. Entscheidend sind Zufluss, Bestand und Abfluss.
Dein Geschäft läuft, die Aufträge kommen rein und die Zahlen sehen gut aus. Trotzdem kann das Geld auf deinem Konto knapp werden: Kunden zahlen später, Leistungen lassen sich noch nicht abrechnen und deine eigenen Rechnungen werden bereits fällig. Genau deshalb brauchst du neben deiner Gewinnplanung eine laufende Liquiditätsplanung.
Wenn du einen Liquiditätsplan erstellst, zählt vor allem eine Frage: Wann steht dir welches Geld tatsächlich zur Verfügung? Du stellst die erwarteten Einzahlungen den fälligen Auszahlungen gegenüber und erkennst, wann deine Zahlungsfähigkeit unter Druck geraten könnte. So kannst du reagieren, bevor aus einer zeitlichen Lücke ein ernstes Problem wird.
Liquidität und Gewinn: Warum ein gutes Ergebnis nicht ausreicht
Der Gewinn beschreibt dein wirtschaftliches Ergebnis. Liquidität beschreibt, ob du deine fälligen Zahlungsverpflichtungen bezahlen kannst. Ein Auftrag oder eine gestellte Rechnung bedeutet deshalb noch nicht, dass das entsprechende Geld bereits verfügbar ist.
Gerade nach der Geschäftseröffnung entsteht leicht ein falsches Sicherheitsgefühl. Du arbeitest viel, gewinnst Kunden und möchtest vielleicht schon weiter investieren. Wenn die Zahlungen erst später eingehen, können Löhne, Miete und Lieferantenrechnungen trotzdem vorher dein verfügbares Geld aufbrauchen.
Die Rentabilitätsvorschau und der Liquiditätsplan beantworten zwei zusammengehörige Fragen: Rechnet sich dein Vorhaben, und kannst du seine laufenden Zahlungen leisten? Ein positives Ergebnis ersetzt die Prüfung der Zahlungsfähigkeit nicht.
Liquiditätsplanung: Plane Zahlungseingänge realistisch
Für deine Liquiditätsplanung ist entscheidend, wann Kunden tatsächlich bezahlen. Berücksichtige die Zeit bis zur Rechnungsstellung, vereinbarte Zahlungsziele und mögliche Verzögerungen. Wenn du bereits Erfahrungen mit der Zahlungsmoral deiner Kundschaft hast, gehören diese in deine Annahmen.
Frage dich auch, wie viel du vorleisten musst. Beschäftigte können bereits an einem Auftrag arbeiten und ihren Lohn erhalten, obwohl du die Leistung erst später abrechnen kannst. Im Handel bindet der Warenbestand Geld, bevor du die Ware verkaufst und die Zahlung dafür bekommst.
Praxistipp 1: Plane Zahlungsdaten statt Rechnungsdaten
Trage erwartete Einzahlungen in den Zeitraum ein, in dem du realistisch mit dem Geldeingang rechnest. Prüfe dazu Rechnungsstellung, Zahlungsziel und bisherige Verzögerungen. Aktualisiere deinen Plan, sobald sich ein Zahlungseingang verschiebt.
Erfasse auch die Auszahlungen, die später kommen
Auf der anderen Seite stehen sämtliche Zahlungen, die dein Unternehmen leisten muss. Dazu gehören laufende Kosten ebenso wie Investitionen, Kreditraten und gegebenenfalls Privatentnahmen. Entscheidend sind die tatsächlich zu zahlenden Beträge und ihre Termine.
Besonders leicht unterschätzt werden Steuerzahlungen. Nachzahlungen können eine frühere gute Geschäftsentwicklung betreffen, während dein aktuelles Geschäft eventuell schwächer läuft. Auch festgesetzte Vorauszahlungen passen sich nicht automatisch an deinen niedrigeren laufenden Gewinn an; prüfe die Höhe und mögliche Anpassungen mit deiner Steuerberatung.
Für eine vollständige Planung prüfst du insbesondere:
- Lieferantenrechnungen, Zahlungsziele und erforderliche Vorleistungen.
- Warenbestand und geplante Wareneinkäufe.
- Löhne, Gehälter und dazugehörige Abgaben.
- Miete, Versicherungen und sonstige laufende Zahlungen.
- Steuerzahlungen einschließlich gegebenenfalls fälliger Umsatzsteuer.
- Investitionen, Darlehenszahlungen und gegebenenfalls Privatentnahmen.
Praxistipp 2: Prüfe Vorfinanzierung und Steuertermine
Notiere, welche Leistungen und Waren du bezahlst, bevor Kunden dafür Geld einzahlen. Ergänze deinen Plan um bekannte Steuerfälligkeiten und realistisch erwartete Nachzahlungen. Prüfe vor einer neuen Investition, welche weiteren Zahlungen im gleichen Zeitraum anstehen.
Liquiditätsplan erstellen
Beginne mit dem verfügbaren Geldbestand zum Start deiner Planung. Addiere für jeden Monat die erwarteten Einzahlungen und ziehe die vorgesehenen Auszahlungen ab. Der errechnete Endbestand wird zum Anfangsbestand des nächsten Monats.
Die Grundrechnung lautet: Anfangsbestand + Einzahlungen − Auszahlungen = Endbestand. Ergänze tatsächlich verbindlich verfügbare Kreditlinien separat, damit du deinen verbleibenden Handlungsspielraum erkennst. Erwarteter Umsatz und eine noch nicht zugesagte Finanzierung sind kein bereits verfügbares Geld.
Achte außerdem auf die Reihenfolge innerhalb eines Monats. Ein positiver Monatsendbestand hilft dir wenig, wenn eine große Rechnung vorher fällig wird und das nötige Geld erst danach eingeht. Für die nähere Zukunft und bei knappen Beständen brauchst du deshalb zusätzlich einen genaueren Blick auf die einzelnen Zahlungstermine. Plane bei Bedarf wochenweise oder anhand der konkreten Fälligkeiten, damit ein kurzfristiger Engpass sichtbar wird.
Vertiefend: Aufbau eines Liquiditätsplans bei der IHK München.
Liquiditätsplanung für Selbstständige: Plane voraus
Für die Vorbereitung deiner Selbstständigkeit sollte dein Blick über die ersten Monate hinausgehen. Eine Planung für die nächsten ein bis zwei Jahre hilft dir, die Anlaufphase und spätere Verpflichtungen gemeinsam zu betrachten. Wie weit du darüber hinaus planst, hängt von deinem Unternehmen und deinen Entscheidungen ab.
Aus meiner Praxis: Der laufende Drei-Jahres-Forecast
Für meine Unternehmen arbeite ich mit einem Forecast, der mindestens drei Jahre vorausblickt und laufend aktualisiert wird. Das habe ich als festes persönliches Ziel in meiner ergebnisorientierten Leistungsbeschreibung verankert. Ich möchte jederzeit anhand der aktuellen Planung sehen können, mit welchem Geldbestand zum jeweiligen Monatsende zu rechnen ist.
Dazu prüfe ich regelmäßig die erwarteten Einnahmen, hinterfrage ihre Realisierbarkeit und arbeite neue Gegebenheiten ein. Für mich gehört diese laufende Liquiditätsplanung zu den wichtigsten Instrumenten der Unternehmensführung. Sie zeigt mir, wie sich die finanziellen Möglichkeiten voraussichtlich entwickeln.
Praxistipp 3: Halte deinen Vorausblick aktuell
Plane mehrere Jahre voraus, soweit das für dein Unternehmen sinnvoll ist, und behandle die Zahlen als überprüfbare Annahmen. Arbeite neue Aufträge, geänderte Kosten und verschobene Zahlungstermine laufend ein. Ergänze den langfristigen Überblick um die konkreten Fälligkeiten der nächsten Zeit.
Liquiditätsengpässe früh erkennen: Vergleiche Soll und Ist
Ein Liquiditätsplan hilft dir vor allem dann, wenn du ihn regelmäßig mit den tatsächlichen Zahlungen abgleichst. Prüfe, welche Einzahlungen fehlen, welche Auszahlungen höher waren und wie sich dadurch die nächsten Monate verändern. Die Abweichung zeigt dir, wo du handeln musst.
Aus meiner Praxis: Unterschiedliche Reaktionszeiten im Geschäftsmodell
In meinen Fitnessstudios helfen die längeren Laufzeiten der Mitgliedsverträge dabei, Entwicklungen frühzeitig abzusehen. Dadurch bleibt häufig mehr Zeit, auf Veränderungen zu reagieren. Die Vertragslaufzeiten machen die Planung leichter, ersetzen ihre laufende Überprüfung aber nicht.
Schon in meiner früheren selbstständigen Arbeit als Coach habe ich mit einer solchen Planung gearbeitet. Dort war die Reaktionszeit kürzer, doch Abweichungen von meinen Zielen wurden ebenfalls schnell sichtbar. Der Plan half mir zu erkennen, wann mehr Einnahmen und mehr eigene Aktivität nötig waren, um die Entwicklung zu korrigieren.
Praxistipp 4: Vergleiche Soll und Ist und handle früh
Vergleiche deine geplanten Zahlungseingänge und Auszahlungen regelmäßig mit den tatsächlichen Kontobewegungen. Kläre bei Abweichungen die Ursache und rechne die kommenden Monate neu durch. Leite daraus konkrete Maßnahmen ab, solange du noch Handlungsspielraum hast.
Nutze deine Planung für Entscheidungen
Die Liquiditätsplanung begleitet deinen Unternehmensalltag. Sie hilft dir, neue Ausgaben einzuordnen, Vorleistungen zu berücksichtigen und finanzielle Engpässe früher zu erkennen. Für deine Entscheidungen zählt, welches Geld zu welchem Zeitpunkt verfügbar ist und welche Verpflichtungen daraus zu bezahlen sind.
Über Norman Kreuter
Norman Kreuter ist Unternehmer, Dipl.-Wirtschaftsingenieur und Business Coach. Mit LE[NK]MUT verbindet er eigene Gründungs- und Führungserfahrung mit Gründungsberatung und Unternehmercoaching – von der Idee zum tragfähigen Unternehmen.
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