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Norman Kreuter
Unternehmens- und Gründungsberatung
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Entscheidungen unter Unsicherheit treffen: Klar handeln als Unternehmer

Norman Kreuter

Veröffentlicht am · Aktualisiert am · Lesezeit: etwa 7 Minuten
Eine Hängebrücke aus Holz führt durch dichten Nebel ins Ungewisse.

Der ganze Weg ist selten sichtbar. Entscheidend ist der nächste tragfähige Schritt.

Eine neue Immobilie, ein zusätzliches Angebot oder der Start in die Selbstständigkeit: Du prüfst Zahlen, sammelst Informationen und wägst Möglichkeiten ab. Trotzdem bleiben Fragen offen, die sich erst nach der Entscheidung beantworten lassen. 

Entscheidungen treffen als Unternehmer bedeutet deshalb, auch bei Unsicherheit zu handeln. Dazu brauchst du Entscheidungsfreude und Mut zum kalkulierbaren Risiko. Die Grundlage dafür sind die verfügbaren Fakten, eine ehrliche Einschätzung deiner Möglichkeiten und die Bereitschaft, aus den Ergebnissen Konsequenzen zu ziehen.

Unternehmerische Entscheidungen: Prüfe die verfügbaren Fakten

Bevor du eine wichtige unternehmerische Entscheidung triffst, sammelst du die erreichbaren Informationen und prüfst, welche deiner Annahmen sich bestätigen lassen. Gerade bei einer Gründung gehört dazu eine belastbare Planung, auch wenn diese nicht jede spätere Entwicklung vorwegnehmen kann.

Bei der Wahl einer Immobilie prüfst du beispielsweise Lage, Sichtbarkeit, Miete und Aufteilung. Damit schaffst du eine Grundlage für deine Entscheidung, aber keine hundertprozentige Sicherheit. Irgendwann musst du abwägen, ob die bekannten Bedingungen und die offenen Punkte für dich zusammenpassen.

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Informationen, die noch fehlen, und Informationen, die sich vorab nicht zuverlässig beschaffen lassen. Weitere Recherchen sind notwendig, wenn du wichtige Fragen klären kannst. Wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, gehört es zu deiner Aufgabe als Unternehmer eine Entscheidung zu treffen.

Praxistipp 1: Fakten prüfen, offene Fragen benennen

Schreibe vor einer wichtigen Entscheidung auf, welche Fakten du geprüft hast und welche Annahmen noch offen sind. Prüfe die offenen Punkte so weit, wie es vor der Umsetzung möglich ist. So erkennst du, auf welcher Grundlage du entscheidest und an welchen Stellen Unsicherheit bleibt.

Bauchgefühl bei Entscheidungen: Prüfe deine Begeisterung

Auch dein Bauchgefühl gehört zur Abwägung. Wenn eine Immobilie auf dem Papier passt, du dich dort aber überhaupt nicht wohlfühlst, solltest du dieses Gefühl ernst nehmen. Umgekehrt kann starke Überzeugung dir den Antrieb geben, mit bekannten Nachteilen umzugehen und ein Projekt konsequent umzusetzen.

Entscheidend ist, dass du dir diese Nachteile ehrlich ansiehst. Eine weniger gute Lage verschwindet nicht durch Begeisterung; du brauchst eine Vorstellung davon, wie du damit umgehen willst. Ebenso lohnt sich die Frage, ob dein gutes Gefühl aus Überzeugung entsteht oder daraus, dass du endlich beginnen möchtest.

Gerade unter Zeitdruck kannst du Kompromisse akzeptieren, die du bei ruhiger Betrachtung ablehnen würdest. Auch die Begeisterung für ein Projekt kann den Blick auf Warnsignale verändern. Deshalb gehören die sachliche Prüfung und die persönliche Überzeugung zusammen.

Praxistipp 2: Prüfe, woher dein gutes Gefühl kommt

Frage dich: Passt dieses Projekt zu dem, was du wirklich umsetzen möchtest, oder willst du vor allem endlich starten? Benenne die Nachteile und prüfe, ob du sie tatsächlich ausgleichen kannst. Damit beziehst du dein Bauchgefühl ein, ohne die unbequemen Punkte aus deiner Entscheidung auszublenden.

Kalkulierbares Risiko: Teste deine Idee im passenden Rahmen

Nicht jede Entscheidung verlangt sofort die größtmögliche Umsetzung. Wenn ein kleiner Versuch möglich ist, kannst du damit Erfahrungen sammeln und die weitere Entscheidung besser begründen. Der Umfang sollte zu dem Risiko passen, das du übernehmen kannst. Prüfe dafür auch die Zahlungstermine und deine Reserven: Ein Liquiditätsplan hilft dir, die finanziellen Folgen deiner Entscheidung einzuordnen.

Aus meiner Praxis: Ein neues Produkt zunächst in einem Studio ausprobieren

Auf einer Messe habe ich ein neues Produkt für die Fitnessbranche entdeckt, bei dem ich vorher nicht wusste, ob es bei unseren Mitgliedern funktionieren würde. Mein Bauchgefühl war gut, und ich wollte es ausprobieren. Deshalb habe ich es zunächst für ein Studio bestellt und nicht direkt für alle sechs Standorte.

Dieser Versuch hat den Umfang der ersten Entscheidung begrenzt. Ob ein Angebot angenommen wird, lässt sich im eigenen Betrieb prüfen, bevor du es größer umsetzt. So verbindest du die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, mit einem überschaubaren Risiko.

Praxistipp 3: Begrenze den ersten Versuch

Prüfe, ob du eine neue Idee zunächst an einem Standort oder in einem kleineren Umfang ausprobieren kannst. Beurteile vorher, welche Kosten und Verpflichtungen damit verbunden sind und ob du sie tragen kannst. Über eine größere Umsetzung entscheidest du auf Grundlage der Erfahrungen aus diesem Versuch.

Ein verkraftbares Risiko schützt nicht vor einer Fehlentscheidung

Auch bei begrenztem Risiko kann eine Idee scheitern. Das gehört zum Ausprobieren, sollte dich aber nicht davon abhalten. Besonders aufschlussreich sind Situationen, in denen deutliche Warnsignale vorhanden waren und du sie trotzdem zu wenig gewichtet hast.

Aus meiner Praxis: Virtuelle Kurse

Bei der Einführung virtueller Kurse einem unserem Fitnessstudios war ich von der Idee begeistert. Die Mitglieder sollten selbstständig Kurse auswählen und starten können, und mit dem Anbieter hatten wir in anderen Bereichen bereits gut zusammengearbeitet. Gleichzeitig war ich skeptisch und hatte mehrfach gehört, dass solche Angebote kaum genutzt würden.

Trotz dieser Hinweise haben wir einen Kursraum mit rund 200 Quadratmetern und einer Musikanlage eingerichtet. Zu etwa 300 Euro monatlich kamen ungefähr 4.000 bis 5.000 Euro Anfangsinvestition sowie zusätzliche Kosten für den Raum. Am Ende stand der Kursraum fast die gesamte Zeit leer.

Nach zwei Jahren, als der Vertrag auslief, haben wir die virtuellen Kurse beendet und den Raum wieder abgegeben. Der Verlust war schmerzhaft, aber verkraftbar und hat das Gesamtunternehmen nicht gefährdet. Rückblickend habe ich meine Begeisterung und das Vertrauen zum Anbieter stärker gewichtet als die Hinweise gegen das Angebot.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine ehrliche Bewertung bleibt. Ein kalkulierbares Risiko kann einen Fehlversuch finanziell verkraftbar machen; es ersetzt die Prüfung der Idee nicht. Umgekehrt ist ein misslungener Versuch kein Grund, künftig grundsätzlich auf neue Angebote zu verzichten.

Entscheidungen überprüfen: Vergleiche Soll und Ist

Eine Entscheidung endet nicht mit der Umsetzung. Lege für deine Idee einen Zeitpunkt fest, an dem du prüfst, was tatsächlich eingetreten ist. Welche Kriterien dabei zählen, hängt vom konkreten Projekt ab.

Beim Soll-Ist-Vergleich betrachtest du den Abstand zwischen deinen Erwartungen und dem Ergebnis. Gibt es eine überschaubare Lücke, an der du arbeiten kannst, oder liegen beide weit auseinander? Daraus ergibt sich, ob weiteres Engagement sinnvoll ist oder ob du die Idee beenden solltest.

„Wenn dein Pferd tot ist, steig ab“ beschreibt diese Haltung anschaulich. Wenn eine Idee nicht trägt, bindet weiteres Festhalten zusätzliche Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Ehrlich zu sagen „versucht, hat nicht funktioniert“ schafft wieder Raum für andere Möglichkeiten.

Praxistipp 4: Lege einen Prüftermin und Erwartungen fest

Bestimme vor der Umsetzung, wann du das Ergebnis überprüfst und welche Entwicklung du bis dahin erwartest. Vergleiche zum vereinbarten Zeitpunkt deine Erwartungen mit den tatsächlichen Ergebnissen. Entscheide anhand der Abweichung, ob du nachbesserst, weitermachst oder die Idee beendest.

Entscheidungsfreude gehört zur Unternehmerrolle

Entscheidungen unter Unsicherheit werden dich auch nach der Gründung begleiten. Du brauchst den Mut, dich festzulegen, hinter deiner Entscheidung zu stehen und die Umsetzung voranzubringen. Gleichzeitig gehört dazu, neue Erkenntnisse ernst zu nehmen und deine Entscheidung später zu korrigieren, wenn das nötig ist.

Wenn du nach gründlicher Vorbereitung regelmäßig weiter abwartest, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf dieses Muster. Welche Unsicherheit hält dich zurück, und welche davon gehört unvermeidlich zu deiner Aufgabe? Dauerhaftes Zögern kann verhindern, dass du ein tragfähiges Vorhaben überhaupt mit der nötigen Konsequenz umsetzt.

Aus meiner Praxis: Die Eröffnung des ersten Standorts

Bei der Eröffnung unseres ersten Fitnessstudios war die wirtschaftliche Situation extrem knapp. Wir hatten alles auf dieses Projekt gesetzt, und schon eine ungünstige Entwicklung hätte uns schnell in Schwierigkeiten gebracht. Unsere Überzeugung und die konsequente Umsetzung waren aus meiner Sicht wichtige Voraussetzungen dafür, dass es damals funktioniert hat.

Dieser erfolgreiche Ausgang macht ein solches Risiko nicht automatisch zu einer guten Vorlage für jede Gründung. Entscheidend ist die Haltung dahinter: Du prüfst dein Vorhaben, triffst deine Entscheidung und setzt dich für die Umsetzung ein. Wie viel Risiko du dabei tragen kannst, musst du anhand deiner eigenen Situation beurteilen.

Entscheide, setze um und bleibe ehrlich zu den Ergebnissen

Entscheidungen treffen als Unternehmer verlangt keine hundertprozentige Sicherheit. Es verlangt, die verfügbaren Fakten ernst zu nehmen, auch bei Unsicherheit Entscheidungsfreude zu zeigen und Mut zum kalkulierbaren Risiko zu haben. Deine Überzeugung hilft dir bei der Umsetzung; die spätere Prüfung zeigt dir, ob du auf dem richtigen Weg bist.

Über Norman Kreuter

Norman Kreuter ist Unternehmer, Dipl.-Wirtschaftsingenieur und Business Coach. Mit LE[NK]MUT verbindet er eigene Gründungs- und Führungserfahrung mit Gründungsberatung und Unternehmercoaching – von der Idee zum tragfähigen Unternehmen.

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