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Norman Kreuter
Unternehmens- und Gründungsberatung
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Führungskraft werden: Den Rollenwechsel als Gründer meistern

Norman Kreuter
Von Norman Kreuter
Veröffentlicht: · Aktualisiert:
Lesezeit: etwa 6 Minuten
Lenkrad eines Rallyeautos mit Display und Bedienelementen

Du kennst deine Kunden, beherrschst deine Arbeit und löst Probleme zuverlässig. Doch sobald dein Team wächst, verändert sich deine Aufgabe: Dein Unternehmen braucht jemanden, der andere befähigt, gute Ergebnisse zu erzielen.

Führungskraft werden bedeutet einen Wechsel im Denken. Du gibst Orientierung, entwickelst Mitarbeiter und überträgst Verantwortung. Dafür brauchst du die Bereitschaft, loszulassen – und ein Team, dem du vertrauen kannst.

Deine neue Aufgabe: am Unternehmen arbeiten

Solange du jede wichtige Aufgabe selbst erledigst, hängt die Leistungsfähigkeit deines Unternehmens an deiner Zeit. Du kannst mehr arbeiten und schneller werden. Irgendwann erreichst du trotzdem eine Grenze.

Mit einem wachsenden Team entsteht die Chance, darüber hinauszukommen. Dafür entwickelst du Abläufe, baust Fähigkeiten auf und klärst Zuständigkeiten. Du arbeitest zunehmend daran, dass dein Team eigenständig handeln kann.

Frage dich deshalb: Was braucht dein Unternehmen jetzt von dir? Vielleicht sind es klare Ziele, bessere Entscheidungen oder die Entwicklung eines Mitarbeiters. Diese Aufgaben brauchen Zeit, die du im Tagesgeschäft bewusst freihalten musst.

Vom Zeitsager zum Uhrenbauer

Jim Collins und Jerry I. Porras beschreiben in Built to Last den Unterschied zwischen einem Zeitsager und einem Uhrenbauer. Der Zeitsager liefert die Antwort persönlich; der Uhrenbauer schafft etwas, das auch ohne seine Anwesenheit funktioniert. Übertragen auf Unternehmen geht es darum, eine Organisation aufzubauen, die über eine einzelne Führungsperson hinaus bestehen kann.

Für deinen Alltag heißt das: Du nutzt dein Wissen, um andere handlungsfähig zu machen. Du schaffst einen Rahmen, in dem Mitarbeiter Entscheidungen treffen und Ergebnisse liefern können. So wird aus deiner persönlichen Stärke die Leistungsfähigkeit eines Teams. Wie du dein Team selbstständiger machst, zeigt der Artikel Verantwortung abgeben.

Die Falle: „Wenn ich es selbst mache, geht es schneller“

„Ich bin schneller“ oder „Das kann niemand so gut wie ich“ kann bei einer einzelnen Aufgabe stimmen. Wenn du deshalb dauerhaft selbst einspringst, bekommt dein Team jedoch kaum Gelegenheit, besser zu werden.

In einem Unternehmen erlebte ich einen hervorragenden Verkäufer, der zum Vertriebschef befördert wurde. Sobald am Monatsende die Zahlen nicht passten, verkaufte er selbst und rettete das Ergebnis. Sein Team entwickelte sich dabei kaum weiter.

Nach erfolgreichen Monaten stiegen die Ziele, während die Leistungsfähigkeit der Mannschaft weitgehend gleich blieb. Irgendwann konnte auch er die Lücke nicht mehr schließen. Die PS seines Teams standen bildlich gesprochen weiter in der Garage: Seine eigene Leistung ersetzte die Entwicklung der gemeinsamen Leistung.

Führungskraft werden: fünf Fähigkeiten für deinen Alltag

Fachliche Erfahrung bleibt wertvoll, reicht für die neue Rolle aber allein nicht aus. Besonders diese fünf Fähigkeiten helfen dir, andere in Verantwortung zu bringen:

  • Loslassen: Akzeptiere andere Lösungswege, wenn das vereinbarte Ergebnis und die Qualität stimmen.
  • Vertrauen: Gib gut eingearbeiteten Mitarbeitern Raum, ihre Fähigkeiten eigenständig einzusetzen.
  • Fragen stellen: Unterstütze eigene Lösungen, statt jede Antwort vorzugeben.
  • Prioritäten setzen: Unterscheide, welche Aufgaben deine Aufmerksamkeit brauchen und welche andere übernehmen können.
  • Erwartungen klären: Vereinbare Ergebnis, Entscheidungsspielraum und notwendige Rückmeldungen verständlich.

Prüfe bei jeder Aufgabe, ob dein Eingreifen notwendig ist oder deinem Mitarbeiter eine Entwicklungsmöglichkeit nimmt. Wie du Verantwortung Schritt für Schritt überträgst, zeigt dir der Guide Delegieren lernen.

Was Rallyesport mit Führung zu tun hat

Im Rallyesport erlebe ich diesen Zusammenhang unmittelbar. Ich bin Fahrer und zugleich Teamchef meines eigenen Teams. Während einer Rallye muss ich mich jedoch auf meine Aufgabe als Fahrer konzentrieren: auf die Strecke, die Kurven und das Verhalten des Autos.

Im Service gebe ich dem Team die notwendigen Informationen und überlasse ihm die Arbeit am Fahrzeug. Danach muss ich mich wieder hineinsetzen und darauf vertrauen können, dass die vereinbarten Arbeiten zuverlässig erledigt wurden. Nur dann bekomme ich den Kopf für meine eigene Aufgabe frei.

Würde ich selbst unter dem Auto liegen und jeden Handgriff überwachen, fehlte mir diese Konzentration. Ein gutes Ergebnis setzt voraus, dass jeder seine Aufgabe beherrscht und die anderen sich darauf verlassen können.

Im Unternehmen gilt derselbe Zusammenhang. Wenn du ständig Aufgaben deiner Mitarbeiter übernimmst, fehlt dir Aufmerksamkeit für deine Führungsaufgabe. Ein verlässliches Team schafft Raum für gute Entscheidungen und die Entwicklung des Unternehmens.

Vertrauen beginnt mit guter Einarbeitung

Dein Mitarbeiter muss verstehen, was zu tun ist, wie ein gutes Ergebnis aussieht und worauf es ankommt. Anschließend braucht er Gelegenheit, die Aufgabe zu üben und zunehmend selbstständig auszuführen. Ein klarer Einarbeitungsprozess schafft diese Grundlage.

Im Ratgeber zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter findest du den Aufbau mit drei Lernschleifen: vormachen, begleitet durchführen und selbstständig übernehmen. Sobald dein Mitarbeiter die Aufgabe beherrscht, vereinbarst du passende Rückmeldungen und gibst ihm Raum für die Umsetzung.

Entscheidend ist, die entwickelte Selbstständigkeit auch zuzulassen. Wer sorgfältig einarbeitet und danach trotzdem jeden Schritt vorgibt, hält seinen Mitarbeiter abhängig. Vertrauen zeigt sich darin, dass du ihm die Umsetzung innerhalb der vereinbarten Leitplanken zutraust.

Gewinne Zeit für deine Führungsaufgaben

Wenn dein Team Verantwortung übernimmt, entsteht Raum für die Planung des Unternehmens, die Weiterentwicklung deines Angebots und die Entwicklung deiner Mitarbeiter. Gib diesen Aufgaben einen festen Platz im Kalender. Prüfe regelmäßig deine Aufgabenverteilung:

  • Welche Aufgaben brauchen tatsächlich meine Erfahrung oder Entscheidung?
  • Welche Aufgaben könnte ein anderer nach guter Einarbeitung zuverlässig übernehmen?
  • Welche Führungsaufgaben bleiben liegen, weil ich ständig operativ einspringe?

Du kannst weiterhin selbst für Kunden arbeiten und deine Fachkompetenz einbringen. Entscheidend ist, dass dies eine bewusste Entscheidung bleibt. Sobald du überall gebraucht wirst, prüfe, welche Fähigkeiten, Zuständigkeiten oder Abläufe noch fehlen.

Wie du wichtige Führungsaufgaben im Alltag einplanst, liest du im Ratgeber Prioritäten setzen als Unternehmer. Wenn Spannungen die Zusammenarbeit erschweren, hilft dir der Beitrag Konflikte im Team lösen.

Der Vier-Wochen-Test: Wie abhängig ist dein Unternehmen von dir?

Stell dir vor, du wärst vier Wochen im Urlaub und dein Laptop bliebe zu Hause. Welche Aufgaben würden zuverlässig weiterlaufen? Bei welchen Entscheidungen müsste dein Team auf deine Rückkehr warten?

Dieser Gedankenversuch zeigt, wo dein Unternehmen noch stark von dir abhängt. Vielleicht fehlt eine Vertretung, Wissen steckt nur in deinem Kopf oder Entscheidungen laufen ausschließlich über deinen Schreibtisch. Genau dort findest du Ansatzpunkte für die weitere Entwicklung.

Klare Zuständigkeiten, dokumentiertes Wissen und passende Entscheidungsbefugnisse helfen auch bei einem ungeplanten Ausfall. Wie du wiederkehrende Aufgaben übertragbar machst, liest du im Ratgeber Prozesse standardisieren: Vom Einzelauftrag zum System.

Wenn du vor allem deine persönliche Leistung verkaufst, bleiben Teile deines Geschäfts an deine Anwesenheit gebunden. Auch dann kannst du Abläufe und Vertretungen verbessern. Für ein Unternehmen mit Team zeigt der Test besonders gut, wo noch Abhängigkeiten bestehen.

Beginne mit einer konkreten Veränderung

Wähle eine wiederkehrende Aufgabe, die ein Mitarbeiter übernehmen könnte. Kläre das Ergebnis, ermögliche eine gute Einarbeitung und vereinbare passende Rückmeldungen. Plane die gewonnene Zeit anschließend für eine konkrete Führungsaufgabe ein.

So gelingt der Rollenwechsel durch praktisches Handeln. Dein Mitarbeiter gewinnt Fähigkeiten und Verantwortung, während du Raum für die Entwicklung des Unternehmens schaffst. Deine Leistung zeigt sich zunehmend darin, was dein Team gemeinsam erreichen kann.

Quelle zum Bild des Uhrenbauers: Jim Collins und Jerry I. Porras, Built to Last; Erläuterung von Jim Collins.

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